Nepal-Tour-Tagebuch (Teil 2): Von Kathmandu in die Berge – Meine wichtigsten Erfahrungen nach der Wanderung

Namaste! Wenn du diesen Blog liest, spielst du wahrscheinlich mit dem Gedanken, einen der legendärsten Trekking-Routen der Welt anzugehen: den Annapurna Circuit. Ich habe mich dieser Herausforderung im Februar und März 2026 gestellt und kann dir eines vorwegnehmen: Es war eine der intensivsten, härtesten und gleichzeitig schönsten Erfahrungen meines Lebens.

Für uns technisch und sportlich affine Wanderer ist der Circuit ein absolutes Highlight. Aber er verzeiht keine Fehler, besonders nicht bei der Vorbereitung und der Höhenanpassung. In diesem Beitrag nehme ich dich mit auf meine Route, teile meine harten Fakten und sage dir ehrlich, was ich beim nächsten Mal anders machen würde – Stichwort: Rucksackgewicht und Blasen!

Die Anreise: Ab ins Marsiandi-Tal

Das Abenteuer beginnt nicht erst beim ersten Schritt der Wanderung, sondern schon bei der Anreise. Von Kathmandu aus ging es für uns mit dem lokalen Bus nach Besishahar. Hier ein kleiner Pro-Tipp vorab: Plane viel Zeit für den Verkehr und die lokalen Busse ein. Die Straßenverhältnisse sind abenteuerlich und Baustellen sind an der Tagesordnung. Von Besishahar aus haben wir uns dann mit dem Jeep weiter ins Marsiandi-Tal vorgearbeitet, um den eigentlichen Trek zu starten.

Mein Trekking-Tagebuch: 119 Kilometer voller Kontraste

Hier sind die nackten Zahlen meiner Tour. Ab dem 25.02. hat sich unsere Gruppe übrigens aufgeteilt – ein Teil ging Wandern, der andere widmete sich dem Sightseeing (dazu unten mehr). Ich war natürlich in der Wander-Truppe.

Die Akklimatisierung und der Weg nach oben

  • Tag 01 (22.02.26): Von Dankyu nach Chame
    • Distanz: 12,36 km
    • Zeit: 03:36:03 Std.
    • Ein guter Einstieg, um reinzukommen.
  • Tag 02 (23.02.26): Von Chame nach Lower Pisang
    • Distanz: 14,81 km
    • Zeit: 04:11:52 Std.
    • Highlight: Wir knacken die 3.000-Meter-Marke!
  • Tag 03 (24.02.26): Von Lower Pisang nach Manang
    • Distanz: 16,05 km
    • Zeit: 04:45:12 Std.
  • Tag 04 (25.02.26): Manang (Akklimatisierungstag)
    • Route: Braga, Ice Lake, Manang
    • Distanz: 13,35 km
    • Zeit: 06:31:23 Std.
    • Learning: Aufstieg bis auf 4.600 Meter. Die Höhe ist real. Ich habe in dieser Nacht ganz schlecht geschlafen. Unterschätze niemals die Akklimatisierung.
  • Tag 05 (26.02.26): Von Manang über Khangsar nach Thorong Pedi
    • Distanz: 16,52 km
    • Zeit: 07:17:24 Std.
    • Upsi: Wir haben uns etwas verlaufen und die Route ungeplant über Khangsar „verlängert“. Eigentlich ist das eine 2-Tages-Tour. Aber gut, so gab es ein paar extra Höhenmeter.
  • Tag 06 (27.02.26): Von Yak Kharka nach Thorong Pedi
    • Distanz: 07,16 km
    • Zeit: 03:40:02 Std.
    • Kurze Etappe, aber die Nacht war wieder hart. Wegen der Höhe ganz schlecht geschlafen.

Die Königsetappe: Thorong La Pass (5.416m)

  • Tag 07 (28.02.26): Von Thorong Pedi über den Pass nach Muktinath
    • Distanz: 16,15 km
    • Zeit: 09:48:48 Std.
    • Der härteste Tag. Start am Morgen bei knackigen -20 Grad. Thorong High Camp liegt auf 4.800 Metern. Am Pass selbst auf 5.416 Metern herrschte extrem starker Wind. Ich bin fast eingefroren, aber das Gefühl, oben zu stehen, ist unbeschreiblich. Danach folgte ein brutaler Abstieg von 1.750 Höhenmetern nach Muktinath, der heiligen Stadt der Hindus.

Entspannung und der Poon Hill

Nach dem harten Pass haben wir die Route von Muktinath nach Tatopani mit dem Jeep etwas „optimiert“. Tatopani bedeutet heißes Wasser, und die heißen Quellen dort waren genau das Richtige, um die müden Knochen zu relaxen.

  • Tag 08 (02.03.26): Von Chitre nach Ghorepani
    • Distanz: 03,23 km
    • Zeit: 01:32:52 Std.
    • Ein krasser Landschaftswechsel: Wir wanderten durch Urwald und Rhododendren, aber Vorsicht: Es warten viele Treppenstufen auf dich.
  • Tag 08 (02.03.26): Ghorepani & Poon Hill
    • Distanz: 02,60 km
    • Zeit: 01:04:49 Std.
    • Ich war gleich zweimal auf dem Poon Hill Aussichtspunkt (3.210 Meter) – einmal zum Testen und einmal für den perfekten Sonnenaufgang. Es lohnt sich!
  • Tag 09 (03.03.26): Von Ghorepani über Poon Hill nach Ulleri
    • Distanz: 16,91 km
    • Zeit: 05:41:46 Std.
    • Der berüchtigte Ghorepani-Pass. Wieder unzählige Stufen, dieses Mal steil bergab.

Die Trekking-Bilanz in Zahlen (ohne Spaziergänge)

  • Gesamtstrecke: 119,14 km
  • Höhenmeter Aufstieg: 4798,22 hm
  • Höhenmeter Abstieg: 1758,11 hm (Anmerkung: Die Jeep-Fahrt hat hier die Statistik „optimiert“ 😉 )
  • Gesamtzeit: 48:10:11 Std. reinste Wanderzeit.

Dazu kamen noch ein paar „Bonus-Kilometer“ durch Spaziergänge vor dem Abendessen, Stadtplatzrunden in Ghorepani und den Besuch im Elephant Breeding Center (Tag 10, 05.05.26, 9,41 km). Insgesamt also eine solide sportliche Leistung!

Sightseeing: Kultur pur in Nepal

Man reist nicht nach Nepal, ohne die Kultur aufzusaugen. Unsere Sightseeing-Gruppe (und ich im Anschluss an den Trek) haben sich diese Highlights nicht entgehen lassen.

In und um Kathmandu

  • Boudhanath Stupa: Einer der größten Tempel der Welt und ein spirituelles Zentrum.
  • Hanumandhoka Durbar Square: Der alte Königsplatz und UNESCO-Weltkulturerbe.
  • Swayambhu Tempel (Affentempel): Tolle Aussicht über die Stadt, aber pass auf deine Sachen auf – die Affen sind frech!
  • Budhailkanta: Der schlafende Vishnu, eine beeindruckende Statue aus 5 Tonnen Basalt.
  • Pashupatinath Tempel: Ein sehr heiliger Hindu-Tempel am Bagmati-Fluss. Hier finden Leichenverbrennungen statt, was sehr eindrücklich ist. Man trifft dort auch viele Sadhus.
  • Lalitpur (Patan): Eine weitere Königsstadt mit wunderschönen buddhistischen Tempeln.
  • Bhaktapur: Die dritte Königsstadt, bekannt für den Durbar Square, Dattatraya und den Pottery Square.

Außerhalb der Hauptstadt

  • Phewa-See in Pokhara: Perfekt zum Entspannen nach dem Trek.
  • Chitwan Nationalpark: Hier haben wir Elefanten-Reiten gemacht und das Breeding Center besucht.

Meine ehrlichen Learnings & Tipps für dich (Die „Allgemeines“-Sektion)

Das ist wohl der wichtigste Teil für dich, wenn du den Trek planst. Hier sind meine ungeschönten Erfahrungen.

1. Ausrüstung & Gewicht (Mein größter Fehler!)

  • Viel zu viel Kleidung: Ich hatte definitiv bestimmt 5 kg zu viel Gepäck dabei. Besonders die Kleidung für extrem kaltes Wetter habe ich kaum gebraucht. Überlege dir jeden Layer genau.
  • Laufkleidung? Spar es dir! Entweder geht sie kaputt, es gibt keine Wege zum Laufen oder der Smog ist zu stark. Ich habe sie nicht genutzt.
  • Blasen-Alarm! Ich hatte jede Menge Blasen an den Füßen. Das war schmerzhaft und unnötig. Bereite dich besser vor: Teste deine Socken, deine Schuhe und vor allem die richtige Schnürung lange vor dem Abflug.

2. Planung vor Ort vs. Vorab-Buchung

  • Bloß nicht vorplanen! Wanderungen in dieser Höhe sind unberechenbar. Du weißt nie, wie du die Höhe verträgst, wie das Wetter wird oder ob du dich verläufst (so wie wir). Bleib flexibel.
  • Lodges und Hotels: Auch diese musst du nicht vorplanen. Es gibt genug Unterkünfte am Wegesrand, und die Qualität steigt meist mit dem Preis.
  • Permits: Vergiss auf keinen Fall die notwendigen Permits für die Annapurna-Region! Die werden an Checkpoints kontrolliert.
  • Guide? Ein lokaler Guide ist nur in Ausnahmefällen notwendig, da wir lokale Unterstützung hatten, ging es gut ohne. Aber für Neulinge kann er sehr hilfreich sein.

3. Reisezeit & Bedingungen

  • Februar / März ist ideal. Es sind wenig Touristen unterwegs, du hast die Wege oft für dich. Aber Achtung: Sei vorsichtig mit Schnee und Eis, besonders an den Pässen.

4. Alternativen in der Region

  • Es gibt unzählige Routen. Eine weitere Alternative wäre der New Lalupate Trail.
  • Der Tilichosee ist auch beliebt, war aber bei uns leider gefroren.
  • Das Annapurna-Basecamp ist eine Option, wobei ich glaube, dass das Mount Everest Basecamp vielleicht sogar die bessere Alternative ist, wenn man schon mal da ist.

5. Das Geld & die „Medizin“

  • Bier ist teuer! Wir haben festgestellt, dass Bier teurer ist als Essen. Gut ein Drittel unserer Kosten ging für Getränke drauf.
  • Die „lokale Medizin“: Na ja, wir hatten etwas viel Bier, Kukri (Rum) und lokale Medizin. Ob das bei der Höhe geholfen hat, wage ich zu bezweifeln, aber es war gesellig.

Fazit

Der Annapurna Circuit war hart, aber jede Sekunde wert. Die Daten zeigen, dass es eine sportliche Herausforderung ist, aber die mentalen Hürden (Schlafmangel in der Höhe, Kälte) sind fast noch größer. Wenn du flexibel planst, dein Rucksackgewicht drastisch reduzierst (glaub mir, 5kg weniger machen einen Unterschied!), deine Füße gut pflegst und die Akklimatisierung ernst nimmst, wirst du ein unvergessliches Abenteuer erleben. Nepal, ich komme wieder – aber mit leichterem Gepäck!

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